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zurück - Leseprobe - Rezensionen - weitere Bücher von Teddy Matthau


ISBN 978-3-940-64065-9

Sonderbare Geschichten


von Teddy Matthau
DIN A taschenbuch, ca. 222 Seiten.
Preis: 9.90 Euro
*inkl. Mwst. zzgl. Versandkosten
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Leseprobe aus "Sonderbare Geschichten":

 

Die Droge

In letzter Zeit hörte man aus der Partyszene immer wieder sonderbare Geschichten über die Wahrheitsdroge HQL29. Angeblich soll sie vom rumänischen Geheimdienst entwickelt worden sein um Regimekritiker zu verhören. Damals hatte sie jedoch diesen unerträglichen Güllegeruch, der dafür sorgte, dass die meisten Festgenommenen schon vor Verabreichung der Droge irgendetwas gestanden. Jetzt ist es also gelungen, HQL29 synthetisch und mit neutralem Geruch herzustellen. Eine kleine Tablette – in Flüssigkeit aufgelöst – genügte, um das Opfer für viele Stunden so zu beeinflussen, dass es nicht mehr in der Lage war zu lügen. Da es nicht abhängig machte und es praktisch keine Nebenwirkungen gab, kümmerten sich die Drogenfahnder wenig um HQL29 und machten weiter Jagd auf wirklich gefährliche Drogen. Viele Frauen fühlten sich dadurch ermutigt, beim Ausgehen immer einen kleinen Vorrat HQL29 dabei zu haben, um für die rechtzeitige Beurteilung eventueller Männerbekanntschaften gut ausgestattet zu sein.
Eigentlich hatte ich sogar Verständnis für den Einstieg der Frauen ins Drogengeschäft, auch wenn diese Vorgehensweise natürlich illegal war. Aber schon oft genug hatte ein angeblich vereinsamter Modedesigner einfach vergessen zu erzählen, dass zu Hause seine Ehefrau in ihrer aus alten Küchenhandtüchern selbstgenähten Schürze jede Nacht die Betten der fünf Kinder vollheulte, während der Ehemann sich von seinem Gehalt als Lagerarbeiter bei kik und nach einigen kleineren Diebstählen einen dunkelgelben Maßanzug beim türkischen Änderungsschneider geleistet hatte um zu testen, ob im Nachtleben vielleicht noch was geht. Ich hatte Verständnis, wollte aber selbst nicht zum Opfer werden. Obwohl ich natürlich nichts zu verbergen hatte. Ich wusste von einem Insider, dass es bereits ein Gegenmittel gab und wo man es besorgen konnte. Da ich nach einer langen, harten Woche auch mal wieder auf die Piste wollte, trieb ich mich am späten Donnerstagabend in der düsteren Gegend hinter dem Bahnhof herum und wartete.
Eine dürre Gestalt mit Zigarettenstummel im Mundwinkel kam langsam näher. „Und...?“ fragte er mit zittriger Stimme. „Wullumullu!“ antwortete ich. „N’ Zwanni für 3 Pillen“ zischte er und sah sich nervös um. Ich wühlte viel zu auffällig in meiner Hosentasche und er trampelte von einem Bein aufs andere. Er saugte wie besessen an seinem Stummel und zuckte dabei hektisch mit beiden Augen. „Du weißt Bescheid?“ Ich sah ihn unsicher an. „Wullumullu ist eine Verschlüsselungsdroge. Die Wahrheit musst du trotzdem sagen, wenn du auf HQL29 bist, aber die ist dann eben so verschlüsselt, dass sie keiner mehr versteht, klar?“ – „Klar!“ Kaum hatte ich bezahlt, war er auch schon geräuschlos verschwunden und ich schlenderte mit betont lässigem Blick zurück ins Licht der wirklichen Stadt.
Es war Sonnabend kurz nach Zehn und ich begann mich zu kultivieren. Schon vor dem Duschen warf ich eine Wullumullu ein, denn die Wirkung sollte ja rechtzeitig einsetzen. Sie schmeckte wie Spinat mit Zahnpasta. Eine halbe Stunde später war ich soweit. Der Versuch, meinem Spiegelbild etwas Aufmuntendes zuzurufen scheiterte, denn mir fiel einfach nichts ein. Also stürzte ich mich einfach so in die Nacht. Der Club gehörte nicht zu den angesagtesten der Stadt, aber er war für sein kontaktfreudiges Publikum und belanglose Musik bekannt. ...
 
 

Polnisch Grau

Es war mal wieder so ein Tag. Ich saß auf der Bettkante und dämmerte vor mich hin. Die Datenleitungen von meinem Gehirn zu mir waren wohl unterbrochen. Meine Füße standen zwar auf dem Boden, aber mir war nicht klar warum. Wollte ich gerade aufstehen oder mich hinlegen? Ich wusste es nicht. Vorsichtig drehte ich meinen Kopf zum Fenster, auf der Suche nach hilfreichen Informationen von draußen.
Es war grau, einfach nur grau. Graue Lappen hingen vom Himmel, graue Milch floss aus grauen Eutern, selbst die Luft war grau. Aber es war nicht das gewöhnliche Grau, es war ein spezielles Grau. Es war tiefer und intensiver als ein Grau eigentlich sein kann. Ein Grau, das durch die Adern fließen konnte und unbemerkt Gedanken und Gefühle grau färbte. Ein Grau, das das Leben vollständig grau einfärben konnte, was aber nicht unbedingt beunruhigend war. Es war eben so. Wahrscheinlich kennen nur wir Polen dieses spezielle Grau, das sogenannte Polnisch Grau. 
Normalerweise gehen wir raus auf die Straße, zu Nachbarn, Freunden oder in die Kneipe - auf jeden Fall unter Menschen, denn wir wollen unser Grau teilen. „Ein Schweinewetter heute!“ und schon sieht man in andächtig nickende graue Gesichter. „War ja letztes Jahr schon kein Sommer!“ und „Daran ist die Umwelt schuld!“ werden die nächsten Steigerungen sein, bis schließlich Einer die drohende neue Eiszeit erwähnt. Dann wird es wieder still und grau. Selbst schwarze Katzen werden dann schon nachmittags grau. Und wahrscheinlich wird ja alles noch viel schlimmer, egal was. Jedenfalls wird es so schlimm, wie es sich jetzt noch niemand wirklich vorstellen kann.
Ich saß also auf der Bettkante und dachte nach. Von meinem Kartoffelstampfer ist gestern der Griff abgebrochen. Und die Chemische Reinigung am Karl-August-Platz hat auch dicht gemacht. Irgendwie geht alles den Bach runter! Wo ist mein zweiter Hausschuh? ...

 

U-Bahn nach Polen

 ...  als sich die Tür des Abteils hinter ihm schloss, begann wieder das allgemeine Gebrabbel. Auch Fred sah mich schon gierig an, aber ich riss schnell meine Zeitung wieder hoch. < Rechtsradikaler Klempner gesteht Schimmelspray-Attacke. Hausfrau aus Schleichbeutlingen an der Würmlau leidet weiter unter aggressiver Verblödung > 
Fred konzentrierte sich jetzt auf die birnenförmige eee-Mutter. „Ein reizendes Kind!“ unkte er mit seiner heiseren Weihnachtsmannstimme. Sie reagierte nicht. „Ich hab ja einen Garten. Sehr schöner Garten. Bisschen Obst und Gemüse ...höhö ...aber auch Zierpflanzen.“
Ich grübelte, wie ich wieder mit meiner Traumfrau ins Gespräch kommen und etwas über sie erfahren konnte, ohne unglaubwürdig zu erscheinen. Aber mir fehlte die geniale Idee.
„Die Dahlien... so groß sind die schon. Riesige Dahlien! Höhö!“
Der Zug wurde langsamer „Döö-dödldöö-dödldöö-dööö – Wir erreichen jetzt Tantow.“ quäkte es aus dem Lautsprecher.
Kurz vor der polnischen Grenze. Ich wusste, dass gleich wieder Höchstleistungssport von mir gefordert wurde. In Stettin brauchte ich eine neue Fahrkarte. Aber wohin? Ich sah aus dem Fenster. Das Blumenstübchen ... und ein Gasthof mit Ausspannung. Niemand steigt aus. Einer steigt ein. Ein etwas ranziger Dickbauch. Vielleicht ein echter Tantower?
Mein Handy klingelte. Es war mein Chef. Ich sprang auf und riss die Schiebetür auf. „Hallo? ... Ja, es ist viel schlimmer geworden! Der Ausschlag, ja ...! Könnte ansteckend sein. ... Hallo? .... Ja, der Arzt will mich zu einem Spezialisten nach Polen schicken. ...ja, Polen! Ich weiß auch nicht warum. ... da kommt das wohl öfter vor. Man nennt das wohl auch polnische Krankheit. Wie...? Gibt es nicht? ... Ja, vielleicht nur auf Polnisch. ... Nein, ich weiß nicht, was polnische Krankheit auf Polnisch heißt.“
Der Tantower Dickbauch kam durch den Gang getorkelt und blieb vor mir stehen, was mich einigermaßen irritierte.
„Hallo?“ Ich pustete ein paar Mal ins Mikrofon. „Die Verbindung ist hier ganz schlecht! Ich melde mich, wenn es was Neues gibt, ok? Machen Sie sich keine Sorgen!“ Noch einmal gepustet, dann legte ich auf.
Der Tantower sah mich eine Weile an, kratzte sich erst hektisch am Kopf und streckte mir dann seine Kratzhand entgegen.  „Eine kleine Spende für einen arbeitslosen Lyriker?“ Sein trauriges Clownsgesicht überzeugte mich sofort. Ich drückte ihm einen Euro in die Hand und erhielt dafür einen kleinen Umschlag. Er bedankte sich artig, zwinkerte mir konspirativ zu, drehte sich um und verschwand auf der Toilette. Gespannt öffnete ich den Umschlag und las den Text auf der Karte: ...

 



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Rezensionen


Rezension von Evi:


Nachdem ich eine Lesung mit Geschichten von Teddy Matthau besucht habe, kaufte ich mir dieses wunderbare Buch. Sowohl die Lesung, als auch das Buch sind absolut empfehlenswert! Die Geschichten sind kreativ, hintergründig und mit unvergleichlichem Humor geschrieben! Eine Bereicherung für jedes Bücherregal!

Diese Rezension fanden 1 von 1 Leser hilfreich.

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