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ISBN 978-3-940640-32-1

Einfach geht anders!


von Hedwig Schwarz
Taschenbuch, ca. 233 Seiten.
Preis: 9.90 Euro
*inkl. Mwst. zzgl. Versandkosten
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Inhalt "Einfach gehts anders" :

Da ich ja nun alleine war, ohne Jochen's Hilfe, musste ich die Dinge koordinieren. Das Wohnhaus zu räumen und zeitgleich die Termine zur Übergabe der Kommissionsbücher einhalten. Ich teilte es mir so ein, dass ich bis 16.00 Uhr im "Ochsen war, (spätere Termine legte ich um) und mich danach ums Wohnhaus kümmerte.

Nachdem ich einmal umgekehrte, gab es für mich beim zweiten Anlauf kein Zurück mehr. Mir war klar, wenn ich es jetzt nicht schaffe, das Geschäft zu betreten, war alles aus. So hatte ich keine Wahl, auch wenn es für mich der blanke Horror war, ich musste in den "Ochsen" es ging einfach nicht anders. Ich werde nie wieder dieses Gefühl vergessen, als ich an diesem Tag das Geschäft betrat, es war so bedrückend und unglaublich schrecklich. Schon zuvor war es unheimlich, ohne unsere Mitarbeiter, aber nun auch noch ohne Jochen war es das reinste Geisterhaus.

Ich war froh, als schon bald die ersten Leute eintrafen um ihre Bücher abzuholen. Ob es Fügung war oder Zufall, wer weiß es, jedenfalls kamen zwei Menschen zu denen ich vorher schon ein recht freundschaftliches Verhältnis pflegte. Wir kannten uns seit Geschäftseröffnung und mit der Zeit sprach man nicht mehr nur über's Wetter miteinander. Zudem waren beide im psychosozialem Umfeld tätig. Sie bemerkten sofort, dass es mir nicht gut ging. Ohne sich aufzudrängen suchten sie das Gespräch, ich war froh, in diesen ersten Stunden nicht alleine sein zu müssen. Ich kochte uns Kaffee und, da wir alle Zeit hatten, entwickelte sich schnell eine gute, wohltuende Atmosphäre.

Ich wollte nicht näher auf mein Gefühlsleben eingehen, dies war dann doch nicht der richtige Platz dafür, aber nur schon alleine ihre Anwesenheit beruhigte mich. So verging der erste Vormittag, bald schon kamen die Nächsten und ich hatte alle Hände voll zu tun, die Bücher für die nächsten Termine abzugleichen und bereit zu stellen. Obwohl ich mich nie wieder richtig wohl fühlte im Geschäft und mir Jochen so sehr fehlte, lernte ich damit umzugehen. Es kamen eigentlich auch ständig Menschen, so dass ich nie sehr lange alleine war. Außerdem gab es ja meine "Engel!"

Neben meiner guten Ute gab es noch Jens, meinen zauberhafter "Freak". Er bat mich, nicht zu erzählen, wie er den Weg in mein Leben fand, doch kannten wir uns schon ziemlich lange, fast seit Anbeginn unseres Buchhandels.
Jens ist ein Weltverbesser, sein Glaube an das Gute im Menschen ist unerschütterlich, er selbst geht mit dem besten Beispiel voran. Er achtet Alles und Jeden und hilft wo er nur kann. Seine einzige Schwäche ist seine Sammelleidenschaft, er kann nicht nur selbst nichts wegwerfen sondern nimmt auch alles bei sich auf, was andere wegwerfen, soweit er es mitkriegt.
Dieses "Geschenk Gottes" stand mir zur Seite, immer, leidenschaftlich und unerschütterlich.
Er war es, der das Wunder bewirkte, dass ich ohne Auto, ohne Geld, ohne familiäre Unterstützung, am Ende meiner Kräfte, oft mutlos und verzweifelt, es doch schaffte, beide Objekte fristgerecht zu räumen! Ohne ihn wäre ich rettungslos verloren gewesen!
Er sortierte geduldig Sachen aus, als ich schon längst einem Nervenzusammenbruch nahe das Weite suchte. Er trennte fein säuberlich jede von mir achtlos gefüllte Mülltüte um die, ohnehin schon übervolle, Restmülltonne zu schonen.
Er half mir, persönlichen Sachen in die Wohnung zu fahren, Papiermüll zum "Ochsen", wo ein großer Container stand, Sperrmüll auf den Hof zu tragen (nachdem er alles brennbare aussortierte, für einen alten Mann der froh war, Heizmaterial zu bekommen).
Er sortierte von mir achtlos entsorgtes Spielzeug, um es an Kinder zu verteilen, von denen er wusste, sie würden sich freuen.
Kleidersäcke die ich für den Container bereitgestellte, nahm er mit zu sich, für seine nächste Tour nach Rumänien. Sogar den Heidelbeer-Busch pflückte er ab, für eine liebe alte Dame, der er so eine Freude machen wollte. Der liebe Gott stellte mir einen wahren Engel zur Seite. Nachts fuhr er seine Touren, nachmittags half er mir, jeden Tag.

Ich konnte wieder schlafen, ohne Tabletten. Meine Sehnsucht nach Jochen verdrängte ich, die viele Arbeit half mir dabei. Doch mein Lachen war verschwunden, wie einst bei Timm Thaler, Jochen stahl es mir, an dem Tag als er mir seinen Wegzug ankündigte.
So pendelte ich hin und her, zwischen Wohnhaus und Geschäft, alles ging automatisch, ich funktionierte einfach nur. Alle Emotionen waren abgestellt, ich spürte weder Schmerz noch Freude. Wie versteinert erledigte ich meine Pflichten, Tag für Tag, zog eine hohe Mauer um meine Seele. Jens kannte mich anders, offener und zugänglich. Er war traurig über meine Wandlung, gerne hätte er wieder den alten Menschen in mir zurückgeholt.

Drei Tage vor Übergabe des Wohnhauses, nahm ich mir die Garage vor. Sie selbst war fast leer, aber im hinteren Teil, einer angrenzenden Werkstatt, in der ich seit unserem Einzug nie mehr war, erwartete mich eine böse Überraschung. Was hier zutage kam, wollte ich sogar Jens nicht zumuten. Ich selbst brauchte eine Weile, bis ich mich von diesem Schock erholte.

Langsam und auf's Schlimmste gefasst tastete ich mich an meine Fundstücke heran; acht Umzugskarton standen dort, allesamt aus der ehemaligen Wohnung der Ex. Dass Jochen damals die Wohnung leer räumte, wusste ich ja, dass er allerdings kistenweise Müll von ihr hier eingelagerte, war mir bis zu diesem Moment nicht klar. Schon der erste Blick in den vordersten Karton bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen, Müll, nichts als Müll. Aber nicht ordentlich getrennt, nein, wild durcheinander, aber vom Feinsten!
Dort lag alles, von Küchenabfällen über zerbrochenem und schimmligem Geschirr bis schmutzigen Unterhosen, tausenderlei Kleinkram und Sachen, die ich mir gar nicht so genau anschauen wollte. Manches schien sogar zu leben!
Ich bekam die absolute Krise, wie in aller Welt sollte ich dies alles entsorgen, in drei Tagen, alle Tonnen waren voll!? Zudem hatte ich überhaupt keine Zeit und Lust schon mal dreimal nicht, überhaupt nicht, kam gar nicht in Frage, ja war ich den hier der Depp vom Dienst!?
Nachdem ich mich vom ersten Schock erholte, dachte ich nach, es musste doch eine Lösung geben. Jens? Nein, das konnte und wollte ich ihm nicht zumuten. Die Kisten erst mal in den "Ochsen" bringen? Nein, auch nicht gut. Alles verbrennen? Zu gefährlich, wollte ich nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen.

Eigentlich müsste sie diesen Scheiß ja selbst aussortieren! Ein Gedanke durchzuckte mich! Da war doch …, ich hatte doch noch …, wo lagen die bloß …? Ich erinnerte mich an etwas, dass ich vor wenigen Tagen in den Händen hielt, im "Ochsen." Oh. lieber Gott, lass es mich wiederfinden in dem ganzen Durcheinander. So schnell ich konnte lief ich ins Geschäft, auch hier stapelten sich bereits die Umzugskisten. Ich suchte einen bestimmten Umschlag dessen Inhalt ich beim Einpacken zwar registrierte aber nicht weiter beachtete, nun war er für mich die Rettung!
Im vierten Karton wurde ich fündig und ein Gefühl kehrte in mich zurück, dass ich lange nicht mehr empfand, Freude, tiefe reine Freude gekoppelt mit etwas anderem, dass mir so richtig Spaß machte, Schadenfreunde und Triumph, es war herrlich!
Wieder zu Hause angekommen machte ich mich über die Müllkisten her, manche waren nur halb voll. Ich schüttete zusammen was ging und reduzierte so die Anzahl der Kisten auf fünf Stück, wobei ich vorher sicherstellte, per Personenwaage, dass die Grenze von dreißig Kilo pro Kiste nicht überschritten, aber auch nicht weit unterschritten wurde.
Dann verpackte ich sie, fein säuberlich. Mit breiten Klebebändern umwickelte ich die Pakete so oft, bis wirklich nichts mehr heraus rutschen konnte. Es war ein Knochenjob, doch mir machte er Spaß. Als ich alle Pakete so eingewickelt hatte, kam meine "Wunderwaffe" zum Einsatz, Paketmarken! Acht Stück gab es davon, bezahlt und gültig für Pakete bis dreißig Kilo!

Auf diesem Weg möchte ich mich bei all den armen Postboten entschuldigen, die diese seltsam riechenden und schweren Pakete transportieren mussten. Danke, es war für einen guten Zweck!

Jens staunte nicht schlecht, als ich ihm bei seiner Ankunft meine Werke zeigte und - er lobte mich! Er war hocherfreut darüber, dass ich endlich mal Zähne zeigte, mir nicht einfach alles gefallen lies.
So ganz verdiente ich dieses Lob aber nicht, denn ohne die Paketmarken wäre mein Plan nicht aufgegangen, die Portogebühren hätte ich niemals bezahlen können. Wir schafften die Pakete noch am selben Tag zur Post und dabei fragte ich mich, wer sie wohl zu ihr in den vierten Stock, ohne Fahrstuhl, schleppen würde? Der Postbote doch hoffentlich ganz sicher nicht!
Diese Aktion wirkte ungemein befreiend auf mich, meine Schutzmauer bröckelte und zaghaft stellte sich sogar ein erstes Lächeln ein. Noch Tage später amüsierten wir uns bei dem Gedanken, wie Jochen's holde Ex wohl auf diese Post reagierte. Wir malten uns diese Überraschung in den schönsten Farben aus und unsere Schadenfreude hielt noch lange an.





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